Ratgeber · Bewerben
Anschreiben, das nicht nach Vorlage klingt
Ein Anschreiben scheitert selten am Aufbau. Es scheitert daran, dass es auch für die nächste Stelle passen würde — dieselben Adjektive, derselbe Rhythmus, kein einziger Satz, der ohne genau diese Anzeige nicht hätte geschrieben werden können. Dieser Ratgeber zeigt dir den Aufbau, den auch das AMS empfiehlt, und wie du ihn mit echten Belegen statt Floskeln füllst.
Der Aufbau: fünf Teile, eine Seite
Das AMS empfiehlt eine feste Reihenfolge: Betreff, Anrede, Einleitung, Hauptteil, Schluss. Der Betreff nennt kurz die Position, auf die du dich beziehst — eine Referenznummer aus der Anzeige gehört dazu, wenn es eine gibt. Die Anrede ist persönlich, wenn du die zuständige Person kennst, sonst „Sehr geehrte Damen und Herren".
Die Einleitung weckt in ein bis zwei Sätzen Interesse — mit einem Bezug zum Unternehmen oder zur Anzeige, nicht mit „hiermit bewerbe ich mich". Der Hauptteil trägt das Gewicht: drei bis vier Absätze zu Erfahrung, Kompetenzen und, wo passend, Soft Skills. Der Schluss drückt Interesse an einem persönlichen Gespräch aus. Insgesamt: eine DIN-A4-Seite.
Warum es trotzdem nach Vorlage klingt
Der Aufbau ist bei fast jedem Anschreiben gleich — das ist auch richtig so, das AMS-Schema hat sich bewährt. Woran ein Anschreiben tatsächlich scheitert, ist der Inhalt der Sätze: „Ich bin hochmotiviert, teamfähig und belastbar" steht in jedem zweiten Anschreiben und sagt nichts, was eine Personalerin nicht schon aus hundert anderen Bewerbungen kennt.
Der Unterschied liegt in der Konkretion. Statt „Ich bin kommunikationsstark" schreibst du, wobei genau: „In meiner letzten Rolle habe ich wöchentlich mit fünf Fachabteilungen die Anforderungen abgestimmt." Ein Adjektiv behauptet etwas über dich. Ein Beispiel belegt es — und ist genau das, was im Gespräch nachgefragt werden kann, ohne dass dir die Antwort fehlt.
Bezug zur Anzeige statt Textbaustein
Ein Anschreiben, das zu jeder Stelle passen würde, passt zu keiner richtig. Nimm die Anzeige und such zwei, maximal drei Anforderungen heraus, die du wirklich erfüllst — am besten die, die als Muss formuliert sind. Für jede davon: ein Satz mit einem konkreten Beleg, keine Aufzählung aller Fähigkeiten, die dir gerade einfallen.
Erfüllst du eine Anforderung nicht ganz, schreib das ehrlich hinein, statt es zu übergehen oder zu beschönigen. „Sie suchen fünf Jahre Erfahrung, ich bringe vier mit, davon zwei in Projektverantwortung" liest sich souveräner als ein Anschreiben, das die Lücke stillschweigend zu überspielen hofft.
Sie-Form, Anrede, Grußformel
Ein Anschreiben ist ein formelles Dokument. In Österreich schreibst du es fast ausnahmslos in der Sie-Form, auch wenn die Stellenanzeige selbst in der Du-Form verfasst ist — das eine ist die Ansprache im Bewerbungsprozess, das andere die spätere Unternehmenskultur. Erst wenn eine Anzeige ausdrücklich um ein Du im Anschreiben bittet, wechselst du.
Die Grußformel bleibt klassisch: „Mit freundlichen Grüßen" reicht, eine kreative Variante bringt selten einen Vorteil, der das Risiko eines schiefen Tons wert wäre.
So baust du dein Anschreiben in fünf Schritten
Eine Reihenfolge, die sich für die erste Fassung bewährt hat:
- Zwei bis drei Muss-Anforderungen aus der Anzeige herausschreiben, bevor du zu formulieren beginnst.
- Für jede Anforderung einen konkreten Beleg aus deiner Erfahrung suchen — keinen Punkt ohne Beispiel.
- Betreff, Anrede, Einleitung, Hauptteil, Schluss in dieser Reihenfolge aufbauen.
- Adjektive streichen, hinter denen kein Beispiel steht — „motiviert", „teamfähig", „flexibel".
- Auf eine Seite kürzen und laut vorlesen: Was sich falsch anhört, liest sich auch so.