Anschreiben für Österreich: Aufbau, Anrede und Sätze, die nicht nach Vorlage klingen
Ein Anschreiben scheitert selten am Aufbau. Es scheitert daran, dass es auch für die nächste Stelle passen würde: dieselben Adjektive, derselbe Rhythmus, kein Satz, der nur zu dieser Anzeige gehört.
Von Bernhard GötzendorferAktualisiert am
Kurz gesagt
Ein Anschreiben für Österreich hat eine A4-Seite: Betreff mit der Position, persönliche Anrede, mit akademischem Titel, wenn er im Inserat steht, eine Einleitung mit Bezug zur Anzeige, drei bis vier Absätze Hauptteil und einen Schluss mit der Bitte um ein Gespräch. Gehaltsvorstellung und frühesten Eintritt nennst du nur, wenn die Anzeige danach fragt.
Der Aufbau: fünf Teile, eine Seite
Das AMS empfiehlt eine feste Reihenfolge: Betreff, Anrede, Einleitung, Hauptteil, Schluss. Dazu kommen deine Kontaktdaten, Name und Adresse des Unternehmens, Ort und Datum und am Ende Grußformel und Unterschrift. Der Betreff nennt die Position, auf die du dich bewirbst; steht in der Anzeige eine Kennzahl, gehört sie dazu.
Die Einleitung stellt einen Bezug zur Anzeige oder zum Unternehmen her, statt mit „Hiermit bewerbe ich mich“ zu beginnen. Den Hauptteil gliederst du in drei bis vier Absätze zu Erfahrung, fachlichen Kompetenzen und persönlichen Stärken. Insgesamt bleibt es bei einer A4-Seite.
Anrede: mit Namen, mit Titel und in der Sie-Form
Das AMS rät, „Sehr geehrte Damen und Herren“ möglichst zu vermeiden und die zuständige Person zu suchen, etwa auf der Website des Unternehmens. StepStone empfiehlt, im Zweifel kurz anzurufen und nach dem Namen zu fragen.
In Österreich haben akademische Titel Gewicht. Steht der Titel der Ansprechperson im Inserat, übernimmst du ihn in die Anrede: „Sehr geehrte Frau Mag. Huber“ oder „Sehr geehrter Herr Dipl.-Ing. Berger“. Findest du gar keinen Namen, bleibt „Sehr geehrte Damen und Herren“.
Ein Anschreiben ist ein formelles Dokument. Im Zweifel schreibst du es in der Sie-Form, auch wenn die Anzeige dich duzt. Bittet die Anzeige ausdrücklich um ein Du, wechselst du.
Warum es trotzdem nach Vorlage klingt
Der Aufbau ist bei fast jedem Anschreiben gleich, und das ist richtig so. Den Unterschied macht der Inhalt der Sätze: „Ich bin hochmotiviert, teamfähig und belastbar“ steht in vielen Anschreiben und sagt nichts, was Personaler:innen nicht schon kennen. Auch das AMS rät, Floskeln und Worthülsen zu meiden.
Statt „Ich bin kommunikationsstark“ schreibst du, wobei: „In meiner letzten Stelle habe ich jede Woche mit fünf Fachabteilungen die Anforderungen abgestimmt.“ Ein Adjektiv behauptet etwas über dich, ein Beispiel belegt es. Und im Gespräch kannst du genau dieses Beispiel erzählen.
Bezug zur Anzeige statt Textbaustein
Das AMS rät, nicht denselben Brief für mehrere Bewerbungen zu verwenden. Nimm die Anzeige und such zwei, höchstens drei Anforderungen heraus, die du erfüllst, am besten die als Muss formulierten. Zu jeder schreibst du einen Satz mit einem konkreten Beleg, keine Aufzählung aller Fähigkeiten.
Erfüllst du eine Anforderung nicht ganz, schreib das ehrlich hinein: „Sie suchen fünf Jahre Erfahrung, ich bringe vier mit, davon zwei in Projektverantwortung.“ Das liest sich souveräner als ein Anschreiben, das die Lücke übergeht.
Schluss: Gespräch, Eintritt und Gehalt
Im Schluss sagst du, dass du dich auf ein persönliches Gespräch freust, ohne Konjunktiv: „Ich freue mich auf ein persönliches Gespräch“ statt „Ich würde mich freuen“.
Fragt die Anzeige nach deiner Gehaltsvorstellung, gehört sie in den Schluss, zusammen mit deinem frühestmöglichen Eintrittstermin, wenn auch danach gefragt ist. Das Gehalt nennst du brutto, als Monats- oder Jahresbetrag, etwa: „Meine Gehaltsvorstellung liegt bei 48.000 € brutto im Jahr, eintreten kann ich ab 1. März.“ Fragt die Anzeige nicht danach, lässt du beides weg.
Die Grußformel bleibt klassisch: „Mit freundlichen Grüßen“.
So baust du dein Anschreiben in fünf Schritten
Eine Reihenfolge, die sich für die erste Fassung bewährt hat:
- Zwei bis drei Muss-Anforderungen aus der Anzeige herausschreiben, bevor du zu formulieren beginnst.
- Zu jeder einen konkreten Beleg aus deiner Erfahrung suchen, kein Punkt ohne Beispiel.
- Betreff, Anrede, Einleitung, Hauptteil und Schluss in dieser Reihenfolge aufbauen; Gehalt und Eintritt nur, wenn die Anzeige danach fragt.
- Adjektive streichen, hinter denen kein Beispiel steht: „motiviert“, „teamfähig“, „flexibel“.
- Auf eine Seite kürzen und laut vorlesen. Was sich falsch anhört, liest sich auch so.
Was BewerbungsGenie macht und was nicht
Das macht BewerbungsGenie
- Entwirft zu jeder Stelle ein Anschreiben aus deinem Profil, in der Sie-Form und im Aufbau, den das AMS empfiehlt.
- Zeigt dir vor dem PDF zu jedem Absatz, aus welchem Eintrag in deinem Profil er stammt, und markiert, was sich nicht belegen lässt.
Das macht BewerbungsGenie nicht
- Erfindet keine Erfahrung und keine Zahlen. Unbelegte Sätze werden markiert, nicht still gelöscht.
- Schickt nichts ab. Das Anschreiben bekommst du als PDF, versenden tust du selbst.
Häufige Fragen
Muss ein Anschreiben genau eine Seite haben?
Als Richtwert ja; das AMS empfiehlt eine A4-Seite. Bei einem erklärungsbedürftigen Werdegang kann es knapp mehr sein, aber auch dann gilt: lieber knapp und konkret als lang und allgemein.
Was, wenn ich die zuständige Person nicht finde?
Dann bleibt „Sehr geehrte Damen und Herren“. Vorher lohnt ein Blick auf die Website des Unternehmens oder ein kurzer Anruf. Steht ein Name mit Titel im Inserat, übernimm den Titel in die Anrede.
Gehört die Gehaltsvorstellung ins Anschreiben?
Nur, wenn die Anzeige danach fragt. Dann nennst du sie im Schluss, brutto, als Monats- oder Jahresbetrag, und wenn auch danach gefragt ist, deinen frühestmöglichen Eintritt.
Darf ein Anschreiben von einer KI vorformuliert werden?
Den Aufbau und eine erste Fassung kann eine KI liefern. Am Ende sollen nur Aussagen dastehen, die du im Gespräch belegen kannst. Deshalb prüft BewerbungsGenie jeden Satz gegen dein Profil und markiert, was sich nicht belegen lässt.