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Muss- oder Kann-Anforderung? So liest du eine Stellenanzeige in Österreich

Eine Muss-Anforderung ist eine Hürde, an der eine Bewerbung scheitern kann, bevor jemand deinen Lebenslauf genau liest: fünf Jahre Erfahrung, Deutsch auf C1, ein abgeschlossenes Studium. In der Praxis heißt so etwas auch K.-o.-Kriterium.

Von Bernhard GötzendorferAktualisiert am

Kurz gesagt

Eine Muss-Anforderung erkennst du an harten Wörtern wie „vorausgesetzt“, „zwingend“, „erforderlich“ oder „Voraussetzung ist“. Eine Kann-Anforderung klingt weicher: „idealerweise“, „von Vorteil“, „wünschenswert“. Lies zuerst den Abschnitt „Das bringst du mit“, markiere die harten Formulierungen und gleiche nur diese mit deinem Profil ab.

Signalwörter: Muss, Kann oder Mischform

Anzeigen trennen Pflicht und Wunsch meistens über die Wortwahl, selten über eine eigene Überschrift. Auch die Reihenfolge hilft: Was oben in der Liste steht, ist oft wichtiger als das, was folgt.

Bei einer Mischform wie „oder vergleichbare Qualifikation“ ist die Tür offen. Was vergleichbar ist, legt niemand genau fest, und genau dort argumentierst du mit deiner Erfahrung. Die Beispiele in der Tabelle sind erfunden, aber so gebaut, wie sie in Anzeigen aus Österreich stehen.

Signalwörter für Muss- und Kann-Anforderungen
ArtTypische FormulierungenBeispiel
Muss„vorausgesetzt“, „zwingend“, „erforderlich“, „Voraussetzung ist“, „mindestens“, „Sie bringen … mit“„Abgeschlossene HTL für Elektrotechnik vorausgesetzt“
Kann„idealerweise“, „von Vorteil“, „wünschenswert“, „gerne auch“, „rundet dein Profil ab“„Idealerweise Erfahrung mit SAP FI“
Mischform„oder vergleichbare Qualifikation“, „oder mehrjährige Berufserfahrung“„Abgeschlossenes Studium (Uni oder FH) oder vergleichbare Berufserfahrung“

Sechs Arten von Muss-Anforderungen

BewerbungsGenie sortiert harte Anforderungen in sechs Arten. Jede lässt sich an bestimmten Formulierungen erkennen:

  • Erfahrung in Jahren: „mindestens 5 Jahre Berufserfahrung“, „3+ years in a similar role“.
  • Sprache: „Deutsch auf C1-Niveau“, „verhandlungssicheres Englisch“.
  • Abschluss: „abgeschlossenes Studium der Informatik oder vergleichbar“, „HTL-Abschluss vorausgesetzt“.
  • Fähigkeit: „fundierte Kenntnisse in SAP FI“, „Erfahrung mit Kubernetes zwingend erforderlich“.
  • Arbeitserlaubnis: „gültige Arbeitsbewilligung für Österreich“, „no visa sponsorship“.
  • Sonstiges: Führerschein B, Nachtdienste, Reisebereitschaft 50 %, Sicherheitsüberprüfung.
  • Dazu kommt eine siebte Art: Verlangt eine Anzeige etwas, das nach dem Gleichbehandlungsgesetz problematisch ist, etwa ein Höchstalter, zeigt BewerbungsGenie das als „Geschütztes Merkmal“. Es zählt nicht gegen dich.

Die Gehaltszeile lesen

In Österreich muss seit 1. März 2011 in jeder Stellenanzeige ein Mindestentgelt stehen: als Betrag, mit Zeiteinheit (Stunde, Woche oder Monat) und ohne anteilige Sonderzahlungen. Meistens ist das das Minimum aus dem Kollektivvertrag. Der Arbeitgeber kann dazuschreiben, dass er bereit ist, mehr zu zahlen.

„Ab 3.200 € brutto monatlich laut KV, Bereitschaft zur Überzahlung“ heißt deshalb: 3.200 € sind die Untergrenze, verhandelt wird darüber. Wie viel mehr möglich ist, steht nicht in der Anzeige; das klärst du im Gespräch.

Fehlt die Zahl ganz, fehlt meistens eine Pflichtangabe. Ausgenommen sind etwa Geschäftsführer:innen. Über die Stelle selbst sagt das wenig, du kannst im Gespräch aber direkt nach dem Gehalt fragen.

Wenn dir eine Muss-Anforderung fehlt

Erfüllst du eine Muss-Anforderung nicht, hast du drei ehrliche Wege: die Stelle lassen, die Lücke im Anschreiben kurz einordnen oder vorher nachfragen, wie hart die Anforderung gemeint ist. Was du nicht tust: sie wegschreiben. Wer aus vier Jahren fünf macht, fliegt spätestens beim Dienstzeugnis auf.

Ein Beispielsatz fürs Anschreiben: „Sie suchen fünf Jahre Erfahrung im Produktmanagement. Ich bringe vier Jahre mit, davon zwei als Product Ownerin mit Verantwortung für ein Team von acht Personen.“ So greifst du die Anforderung auf und antwortest mit dem, was du hast.

BewerbungsGenie erfindet dabei nichts. Die Belegprüfung schaut vor jedem PDF nach, ob jede Aussage im Lebenslauf und im Anschreiben einen Eintrag in deinem Profil hat. Unbelegte Sätze werden markiert, nicht gelöscht; du entscheidest, ob du einen Beleg nachträgst oder den Satz streichst.

Warum BewerbungsGenie jede Muss-Anforderung mit Zitat zeigt

Eine Muss-Anforderung, die nicht in der Anzeige steht, ist eine Vermutung, und Vermutungen kosten dich Stellen, die du bekommen hättest. Deshalb zeigt BewerbungsGenie keine Muss-Anforderung ohne wörtliches Zitat aus der Anzeige. Du siehst den Satz und entscheidest selbst, ob du ihn genauso liest.

Das schützt in beide Richtungen. Ein Modell, das „Senior“ liest und daraus „mindestens 7 Jahre“ macht, erfindet eine Hürde. Ein Modell, das „verhandlungssicheres Deutsch“ überliest, verschweigt eine. Das Zitat macht beides prüfbar.

Die Muss-Anforderungen einer Stelle liest die KI, wenn du bei der Stelle auf „Muss-Anforderungen mit KI prüfen“ klickst. Jede gleicht BewerbungsGenie mit deinem Profil ab: erfüllt, zu prüfen oder fehlt, mit dem Beleg aus deinem Profil. Daraus ergibt sich für die Stelle eine Einschätzung, niedrig, mittel oder hoch. Hoch ist sie, wenn eine klar als Pflicht formulierte Anforderung in deinem Profil keinen Beleg hat. Beides steht als Symbol mit Text da, nie nur als Farbe.

So liest du eine Anzeige in drei Minuten

Eine kurze Routine, die du dir angewöhnen kannst:

  1. Den Abschnitt „Das bringst du mit“ oder „Anforderungen“ zuerst lesen, die Aufgaben danach.
  2. Jede Zeile mit „mindestens“, „zwingend“, „vorausgesetzt“ oder „erforderlich“ markieren. Das sind die Kandidaten.
  3. Jede markierte Anforderung einer Art zuordnen (Erfahrung, Sprache, Abschluss, Fähigkeit, Arbeitserlaubnis, Sonstiges) und mit deinem Profil abgleichen.
  4. Die Gehaltszeile lesen: Welches Mindestentgelt steht da, und ist von Überzahlung die Rede?
  5. Bei einer fehlenden Muss-Anforderung entscheiden: lassen, einordnen oder nachfragen.
  6. Erst dann die Aufgaben lesen und prüfen, ob du die Stelle überhaupt willst.

Was BewerbungsGenie macht und was nicht

Das macht BewerbungsGenie

  • Liest auf Knopfdruck die Muss-Anforderungen einer Stelle aus und zeigt zu jeder den wörtlichen Satz aus der Anzeige.
  • Gleicht jede Muss-Anforderung mit deinem Profil ab und schätzt ein, wie hoch das Risiko für deine Bewerbung ist.

Das macht BewerbungsGenie nicht

  • Zeigt keine Muss-Anforderung, die nicht in der Anzeige steht.
  • Entscheidet nicht für dich, ob du dich bewirbst. Die Einschätzung ist eine Lesehilfe.

Häufige Fragen

Ist jede Anforderung in einer Anzeige ein Muss?

Nein. Die meisten Anzeigen listen mehr Wünsche als harte Hürden. Ein Muss ist nur, was sprachlich als Pflicht formuliert ist. BewerbungsGenie markiert nur solche Stellen und zeigt dir den Satz dazu.

Was, wenn ich eine Muss-Anforderung knapp verfehle, etwa vier statt fünf Jahre?

Bewirb dich, wenn die Stelle sonst passt, und benenne die Differenz. Ein Satz im Anschreiben, der sie einordnet, wirkt souveräner als Schweigen. Erfinde kein Jahr dazu; die Belegprüfung würde eine unbelegte Aussage ohnehin markieren.

Muss in jeder Stellenanzeige in Österreich ein Gehalt stehen?

Ja, seit 1. März 2011 muss eine Anzeige das Mindestentgelt nennen, meistens das Minimum aus dem Kollektivvertrag, und sie darf auf eine Bereitschaft zur Überzahlung hinweisen. Ausnahmen gibt es etwa für Geschäftsführer:innen.

Erkennt BewerbungsGenie auch Muss-Anforderungen, die nicht ausdrücklich dastehen?

Nein, bewusst nicht. Was nicht in der Anzeige steht, ist eine Vermutung, und Vermutungen zeigt BewerbungsGenie nicht an. Fehlt dir etwas, etwa eine unausgesprochene Erwartung an die Branche, frag im Gespräch nach.

Quellen

  1. WKO: Angabe des Mindestentgelts im Stelleninseratabgerufen am
  2. RIS: Gleichbehandlungsgesetz § 9 (Stellenausschreibung, Mindestentgelt)abgerufen am
  3. RIS: Gleichbehandlungsgesetz § 17 (Gleichbehandlungsgebot, auch wegen des Alters)abgerufen am
  4. karrierebibel.de: Muss- und Kann-Qualifikationen in Stellenanzeigenabgerufen am